«The Natural» von Barry Levinson (Blu-ray)

Robert Redford in «The Natural»

Let them believe what they wanna believe.

Baseball gilt immer noch als «America’s pastime», als der essentielle Zeitvertreib der US-Amerikaner. Der gesamte Mythos um diesen Sport wurde 1984 in das Drama «The Natural» gepackt, in dem Robert Redford ein Sinnbild für die Verlockungen und Tugenden des professionellen Baseball-Spielers verkörpert. Die Handlung ist dadurch ein wenig überladen, gleichzeitig auch ziemlich bruchstückhaft. Für Gänsehaut sorgen in erster Linie die überwältigende Kameraarbeit von Caleb Deschanel und die einprägsame Musik von Randy Newman («The Princess and the Frog»).

Der auf einer Farm im mittleren Westen der USA aufwachsende Roy Hobbs (Redford) hat ein unvergleichliches Talent für Ball und Schläger. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass er als 19-Jähriger von den Chicago Cubs als Werfer getestet werden soll. Auf der Fahrt nach Chicago stellt er sein Können schon einmal in einem Duell gegen den berühmten Hitter The Whammer (Joe Don Baker) unter Beweis. So wird auch die geheimnisvolle Harriet (Barbara Hershey) auf ihn aufmerksam. Ihr verrät er seine unbescheidenen Absichten: er will der beste Spieler aller Zeiten sein. Seine Überheblichkeit führt dazu, dass er von Harriet angeschossen wird.

16 Jahre später taucht Hobbs im Dugout der New York Knights auf. Das Team von Trainer Pop Fisher (Wilford Brimley) und seinem Assistenten Red (Richard Farnsworth) ist in einer Krise und verliert ein Spiel nach dem anderen. Für Pop Fisher steht dabei mehr als nur sein Job auf dem Spiel. Wenn seine Mannschaft die Play-offs nicht erreicht, muss er seine Anteile dem Judge (Robert Prosky) abtreten. Trotzdem weigert er sich zunächst, den unbekannten Hitter einzusetzen. Als Hobbs dann doch antreten darf, bringen seine Schläge die Knights bis an die Spitze. Da setzen der Judge auf die Verführungskünste von Memo Paris (Kim Basinger), die Hobbs tatsächlich auf andere Gedanken bringt.

Glenn Close in «The Natural»

Die Frauen sind beinahe der Untergang für den Helden aus «The Natural». Doch neben den beiden tödlichen Sirenen taucht in entscheidenden Momenten auch noch die rettende Muse Iris (Glenn Close) auf, eine Jugendfreundin von Hobbs, die bei einem Spiel in Chicago wie ein Engel aus der Menge heraussticht. Die Anleihen aus der Mythologie der Griechen ist beabsichtigt. Auch die Artus-Legende wird eifrig beansprucht. Roy ist nahe an Roi (König), er spielt für die Knights und sein Excalibur ist der Schläger Wonderboy, den er aus dem Holz einer von einem Blitz gespaltenen Eiche geschnitzt hat, unter der sein Vater einige Jahre zuvor gestorben ist. Da wird also ordentlich dick aufgetragen.

Für Schriftsteller Bernard Malamud, von dem die Vorlage stammt, hat es nicht ausgereicht, dass sich sein Baseball-Spieler nur gegen seine Mitspieler durchsetzen muss. Er wird durch die beinahe unüberwindbaren Herausforderungen zum modernen Odysseus stilisiert, der den Rückweg in seine heile Welt finden muss. Da aber noch die ausführliche Nebenhandlung mit dem Schicksal der Baseball-Mannschaft und illegalen Wetten hinzukommt, wird bisweilen der Blick auf das eigentliche Thema ein wenig verstellt, das doch im Grunde das Talent des Natural sein sollte. Stattdessen entsteht ein nostalgisches, aber keineswegs verklärtes Porträt der Sportart.

Welche Bedeutung «The Natural» wirklich hat, wird vor allem aus dem exzellenten Bonusmaterial auf der Blu-ray-Disc erkenntlich, auf dem sich neben Regisseur Barry Levinson, Kameramann Caleb Deschanel und Komponist Randy Newman auch Robert Redford, Glenn Close und diverse Baseball-Experten beteiligt haben. So wird etwa erklärt, dass Baseball-Filme bis in die 80er-Jahre einen ziemlich negativen Ruf hatten und als Sargnagel für eine Karriere galten. Erst «The Natural» habe das geändert und für eine Vielfalt von späteren Baseball-Filmen gesorgt. Daher bin ich den Filmemachern durchaus dankbar, da sie offenbar erst den Weg für «Bull Durham», «Field of Dreams» und «For Love of the Game» geebnet haben.

Die fünf Beiträge «When Lightning Strikes» (49 Minuten), «Extra Innings» (7 Minuten), «Clubhouse Conversations» (15 Minuten), «A Natural Gunned Down» (17 Minuten) und «Knights in Shining Armour» (9 Minuten) werfen faszinierende Blicke auf die verschiedenen Aspekte und Einflüsse der Geschichte und der Entstehung des Films. Sehr aufschlussreich ist aber vor allem der Beitrag «The Heart of ‹The Natural›» (44 Minuten), in dem neben Levinson vor allem der in die Hall of Fame aufgenommene Profi Cal Ripken Jr. aus sehr persönlicher Sicht über die Bedeutung von «The Natural» spricht. Er gesteht, dass er zu Beginn seiner Karriere vermutlich auch zu viel Ehrgeiz hatte, ihm später aber besonders die Sorge und der Respekt für das Spiel am Herzen lag.

Die Bildqualität der Blu-ray-Disc lässt erkennen, dass der Film schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Die Körnigkeit und leichte Unschärfe der meisten Bilder ist zwar beabsichtigt, trübt aber doch ein wenig den Eindruck. In den dunklen Szenen ist zudem ein stärkeres Rauschen festzustellen. Die Tonspur DTS-HD MA 5.1 kann vor allem bei Regenszenen auftrumpfen, lässt aber auch die Fanfaren von Randy Newman klar erklingen. Auf einigen Abbildungen wird diese Blu-ray-Disc als «Director’s Cut» bezeichnet. Es handelt sich aber um die Kinofassung.

Bewertung: 4 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 4 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
5 Sterne

(Bilder: © Sony Pictures Home Entertainment)

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