«Das Leben ist zu lang» von Dany Levy

Markus Hering und Veronica Ferres in «Das Leben ist zu lang»

Ich bin nicht so alt, wie ich aussehe.

In der Schweiz hatte 2009 ein 50-jähriger Mann noch eine Lebenserwartung von 31,7 Jahren. Für die 50-jährige Hauptfigur aus «Das Leben ist zu lang» waren allerdings bereits die bisherigen 50 Jahre eine ordentliche Zumutung, so dass die Aussicht auf weitere 31 Jahre der Demütigung nur schwer erträglich ist. Die Komödie von Regisseur und Drehbuchautor Dani Levy ist eine Satire auf die eigene Branche, die viele Elemente aus Filmen von Woody Allen verwendet. Das Ergebnis wirkt daher wenig einfallsreich und ist nur teilweise amüsant.

Für den jüdischen Regisseur Alfi Seliger (Markus Hering) ist das Leben eine Qual. Alle rühmen ihn immer noch für seine Komödie «Das blaue Wunder». Doch seit diesem Erfolg sind viele Jahre vergangen. Nun versucht er, Produzent Holger Miesbach-Boronowski (Hans Hollmann) sein Projekt über den Karikaturenstreit schmackhaft zu machen. An dessen Geburtstagsfeier fragt er Michael Bully Herbig für die Hauptrolle an. Der ist vom vorgeschlagenenen Titel «Mohahammed» begeistert. Fasziniert ist auch Natasha (Veronica Ferres), die russische Gattin von Miesbach-Boronowski. Sie erhofft sich eine Hauptrolle im Film.

Doch Alfi kämpft nicht nur um die Realisierung seines Films, sondern auch um den Zusammenhalt seiner Familie, um die er sich aber viel zu wenig kümmert. Daher landete seine Frau Helena (Meret Becker) bei einem Seitensprung im Bett von ihrem Produzenten Johannes (Justus von Dohnányi). Die Kinder Romy (Hannah Levy) und Alain (David Schlichter) schenken ihrem Vater wenig Beachtung oder schämen sich sogar für ihn. «Ich will nicht mir dir gesehen werden. Du bist peinlich!» lässt ihn seine Tochter unmissverständlich wissen. Dann muss Alfi von seinem Arzt (Heino Ferch), der ihn irgendwie an den Schauspieler Heino Ferch erinnert, auch noch erfahren, dass er seine Ernährung umstellen muss.

Hannah Levy, Meret Becker, David Schlichter und Heino Ferch in «Das Leben ist zu lang»

Alfi Seliger stellt sich zu Beginn gleich einmal persönlich vor. Bei seiner Figur handle es sich um einen «Nebbich», ein Begriff aus dem Jiddischen, der so viel wie Witzfigur oder sympathischer Verlierer bedeute. Diese Figur kennen wir doch aus «A Serious Man». Seliger erklärt auch, was das Publikum zu erwarten hat: einen komplizierten deutschen Film ohne das Versprechen, einen guten Abend zu haben. Dazu gibt es gleich noch einen Hör- und Sehtest, um die Qualität der Vorführung zu garantieren. Eine solche Einführung mit Ansprache an das Publikum erinnert wiederum an «Whatever Works» von Woody Allen. Auch sonst teilt «Das Leben ist zu lang» viele Gemeinsamkeiten mit den Werken des New Yorker Regisseurs. So fehlt auch der versuchte Selbstmord nicht.

Doch der Film von Levy unterscheidet sich auch deutlich von den meisten Filmen von Woody Allen. Wenn nämlich Alfi von seiner Mutter (Elke Sommer) den Vorwurf hört «Du bist weder lustig noch geistreich», dann trifft diese Beurteilung auch ein wenig auf den Film selbst zu. Das liegt womöglich auch daran, dass Alfi die Meinung vertritt, dass Humor uns nicht erlösen kann. Wer diese Ansicht vertritt, kann nicht wirklich witzig sein. Entsprechend schwerfällig schleppt sich die Hauptfigur durch die Szenen. Einige gelungene Ideen sind aber durchaus vorhanden, etwa der Anlageberater, der weinend von der Insolvenz seiner Bank und der dadurch verbundenen Vernichtung von Alfis Vermögen erzählt. Auch der eine oder andere pointierte Spruch ist vorhanden, beispielsweise «Ich habe mir die Wahrheit schöner vorgestellt.» Diese spärlichen Höhepunkte reichen aber nicht aus, um über den geringen Einfallsreichtum hinwegzutäuschen.

Als Levy schliesslich die Einfälle vollends ausgehen, schleift er die Handlung auf eine zuvor schon angedeutete, aber ansonsten ziemlich unmotivierte Metaebene. Das wirkt lediglich so, als ob Levy nicht wusste, wie er die Anhäufung von Klischees zu ihrem konsequenten Ende führen sollte und daher noch eine Steigerung einbauen wollte. Alfi entdeckt plötzlich, dass er gar nicht über sein Leben bestimmen kann, weil da hinter den Kulissen dieser Regisseur Dani Levy sitzt. Diese Dekonstruktion des filmischen Prozesses ist auch nicht gerade neu. Anschliessend versucht Alfi die Bemühungen des Regisseurs zu sabotieren, indem er auf die Konventionen der Erzählung hinweist und laut schreit: «Film ist Lüge!» So löst sich die Komödie am Ende in völliger Beliebigkeit auf.

Fazit: «Das Leben ist zu lang» ist eine nur leicht amüsante Komödie, die einige Wahrheiten, aber noch viel mehr verbrauchte Klischees enthält.

Bewertung: 3 Sterne

(Bilder: © Filmcoopi)

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