«Encounters at the End of the World» (Blu-ray)

«Encounters at the End of the World»

The National Science Foundation had invited me to Antarctica, even though I left no doubt that I would not come up with another film about penguins. My questions about nature, I let them know, were different.

Mein Lieblingsdokumentarfilmer, wenn er sich überhaupt als solcher bezeichnen lässt, ist eindeutig Werner Herzog. Er nähert sich dem Thema seiner filmischen Essays stets mit einer ungebrochenen Neugier und einem leicht schiefen Humor, der das Interesse bei mir gleich um ein Vielfaches erhöht. In «Encounters at the End of the World» bringt er seine besondere Aufmerksamkeit den Bewohnern einer amerikanischen Forschungsstation in der Antarktis und den Landschaften um den Südpol entgegen.

Ausgangspunkt für die Begegnungen am Ende der Welt ist die von der National Science Foundation geführte, amerikanische Forschungsstation McMurdo am südlichen Zipfel der Ross-Insel. Entgegen seinen Erwartungen trifft Regisseur Herzog dort auf einen riesigen Komplex, die mehr einem hässlichen Bergwerk als einer entlegenen Siedlung in der Antarktis ähnelt. Doch Herzog ist sowieso mehr an den Menschen in und um McMurdo als an den Äusserlichkeiten interessiert. Belastend ist für ihn vor allem das wunderbare Wetter, denn Sonne mag er ebenso wenig auf seinem Filmmaterial wie auf seiner Haut.

In der zahlreich bevölkerten Abgeschiedenheit des südlichsten Kontinents fängt Herzog unvergessliche Eindrücke ein und trifft vor allem auf Seelenverwandte, die ein Gesprächspartner treffend als professionelle Träumer sowie als Vollzeitreisende und Teilzeitarbeiter bezeichnet. Die in ihrem Wesen ähnlichen Personen muss Herzog fast zwangsweise in der Antarktis antreffen, denn wer sich an den Rändern der Welt bewegt, taucht früher oder später dort auf, wo alle Längengrade in einem Punkt zusammentreffen.

«Encounters at the End of the World»

Herzog stellt zuerst den Busfahrer vor, der früher einmal Bankangestellter in den USA war, bevor er als Entwicklungshelfer in Südamerika unterwegs war und schliesslich in McMurdo landete. Während seinem Aufenthalt befragt Herzog nicht nur weitere Personen, sondern reflektiert auch ständig seine eigenen Beobachtungen und streut dazwischen noch Aufnahmen einer Expedition von Ernest Shackleton ein. Bevor Herzog und sein Kameramann Peter Zeitlinger endlich zu entfernten Forschungscamps bei einer Pinguinkolonie oder beim aktiven Vulkan Mount Erebus aufbrechen können, zeigen sie auch das teilweise absurd anmutende Überlebenstraining, das sie zuerst absolvieren mussten.

Grenzerfahrungen sind die grosse Leidenschaft von Filmemacher Werner Herzog, ob im Spiel- oder im Dokumentarfilm. Er findet einen einzigartigen Zugang zu solchen Erlebnissen und hält in seinen persönlichen Beobachtungen den Zustand des Lebens auf diesem Planeten fest. Ungewöhnlich sind dabei die vielfältigen Entdeckungen, die Herzog bei seinen Gesprächen macht, und auch die manchmal beinahe respektlos wirkende Behandlung der Gesprächspartner. Da findet er in einem Gewächshaus einen Linguisten, der von seiner Doktorarbeit über eine aussterbende Sprache zu berichten beginnt, bis die Off-Stimme von Herzog nach einer Weile die Geschichte kurz zusammenfasst. Eine solche leicht irritierende Vorgehensweise täuscht hingegen nie darüber hinweg, dass Herzog von seinen Interview-Partnern zutiefst fasziniert ist.

Die Begeisterung für die Menschen in McMurdo dringt auf auch dem Audiokommentar auf der Blu-ray-Disc durch, auf dem Herzog zusammen mit Zeitlinger und Produzent Henry Kaiser über die Entstehung des Films sprechen. Obschon Herzog betont, dass die Arbeit in der Antarktis ziemlich einfach sei, kommen sie auch auf einen ziemlich gefährlichen Unfall beim Überlebenstraining zu sprechen. Das übrige, umfangreiche Bonusmaterial besteht hauptsächlich aus Filmen von Henry Kaiser, der sowohl Musiker als auch Taucher ist, und dessen Kurzfilm «Slide Guitar and Exorcism @ the South Pole» die Inspiration für die Reise von Herzog war. Ausserdem ist ein ausführliches Interview (67 Minuten) enthalten, dass Jonathan Demme mit Herzog geführt hat.

Die Bild- und Tonqualität der Blu-ray-Disc sind tadellos. Die verwendete Kamera hat einzig bei schnellen Bewegungen ein wenig Mühe mit verwischten Pixeln, doch den Herausforderungen einer oftmals wenig kontrastreichen Gegend ist sie allemal gewachsen. Besonders betörend sind die Unterwasseraufnahmen. Die Tonspur in DTS-HD Master Audio 5.1 kommt nur selten wirklich zur Geltung, zeigt aber in einem Sturm und am Rand des Vulkankraters, dass sie durchaus sehr dynamisch ist.

Bewertung: 6 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
5 Sterne

(Bilder: © 2010 Discovery Channel)

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