«The Muppet Show – Season 1» von Jim Henson

Miss Piggy und Kermit the Frog in «The Muppet Show»

Piggy, said the frog, trying to couch his next words in the gentlest of terms, I am not your frog!

Tanzende Hühner, singende Schweine, ein Klavier spielender Hund, ungewöhnlich arrangierte Lieder und viel absurder Humor – das sind die einfachen Zutaten zu «The Muppet Show». Die erste Staffel der kultigen Puppenvariété ist nun nach langer Wartezeit endlich doch noch auf DVD erhältlich. Viele Witze sind zwar sehr simpel, doch der Charme der Figuren, der oft tollkühne Humor, die turbulenten Szenen hinter der Bühne und die Vielfältigkeit der Segmente sorgen dennoch für unverschämte Freude.

Obschon in der ersten Staffel auch Stars wie Peter Ustinov, Vincent Price, Mummenschanz und Twiggy auftreten, so ist doch der souveräne Moderator Kermit the Frog ganz klar der Mittelpunkt einer jeden Sendung. Da schadet es auch wenig, dass die meisten Gäste heute kaum mehr bekannt sind. Schon einmal von Ben Vereen, Paul Williams, Ruth Buzzi oder Sandy Duncan gehört? Halb so schlimm. Sie sind zwar allesamt talentiert, aber in «The Muppet Show» stehen sowieso die Puppen im Rampenlicht.

Die auftretenden Menschen verdienen gerade aus diesem Grund viel Respekt, denn es verlangt schon eine gesunde Portion Mut, in einer Sendung aufzutreten, in der man ganz bestimmt von Puppen in den Schatten gestellt wird. Dafür dürfen die Gäste dann in manchmal sehr poetischen, berührenden Beiträgen ihre besonderen Fähigkeiten unter Beweis stellen, egal ob Gesang, Tanz, Performance oder Humor. Ein wenig Selbstironie ist ganz allgemein immer notwendig, denn die flauschigen Puppen können ganz schön aufdringlich werden, unberechenbar sind sie sowieso. Und wer mit Animal, dem wilden Drummer, oder Sweetums, dem deutlich über 2 Meter grossen Monster, die Bühne teilt, muss sich auch sonst in Acht nehmen.

Fozzy Bear und Statler & Waldorf in «The Muppet Show»

Heimlicher Liebling der Sendung ist sicherlich der bedauernswerte Fozzy Bear. Der Comedy-Bär wird bei seinen Auftritten wegen seinen wahrlich jämmerlichen Witzen ständig zur Zielscheibe der gnadenlosen Herren Statler und Waldorf, den beiden vorlauten, alten Zuschauern im Balkon. Die Witze von Fozzy sind so alt und vorhersehbar, dass die kritischen Senioren meist schon die Pointe schreien, bevor Fozzy zum ersten Punkt kommt. Danach machen sie sich häufig noch gegenseitig das Leben schwer. Waldorf: «You can get quite an education watching this show.» Statler: «Are we watching the same show?»

Wenn das Niveau wieder einmal zu tief absinkt, schreitet zwischendurch Sam the Eagle (Kermit: «our resident grouch») ein. Obschon Kermit einmal behauptet, dass in der Sendung keine politischen oder religiösen Themen vorkommen, so ist der ernste Adler doch ganz klar eine Parodie von patriotischen, selbstgerechten Republikanern, die keine Ahnung von Kunst haben. Seiner Ansicht nach bieten das jeweils von ihm angekündigte Gesangsduo Wayne and Wanda gute und anständige Unterhaltung («they represent to me the very best this show has to offer, indeed, the very best this country has to offer»). Zum Glück des Publikums erreichen sie selten den Refrain ihrer Lieder, bevor sie von einem Unglück getroffen werden.

Dabei sorgt Kermit selbst als Moderator einer Gesprächsrunde für intellektuelle Sternstunden: «Once again it’s time to raise the intellectual level of the programme.» Allerdings werden Fragen wie «What is the meaning of life?» («a fairly simply subject») oder «Is conversation a dying art?» selten wirklich seriös beantwortet. Stattdessen kommt es häufig zu gegenseitigen Beleidigungen und seltsamen Abschweifungen.

Nurse Piggy, Dr. Bob (Rowlf) und Janice in «The Muppet Show»

Köstlich ist auch der für gewöhnlich am Klavier sitzende Rowlf the Dog. Er singt nicht nur fantastische Lieder, sondern kommentiert dabei auch sein Spiel: «Now this is where the song changes key. What we call a modulation… That’s c-sharp minor.» Und falls er einmal eine falsche Taste treffen sollte – das kommt durchaus vor –, entschuldigt er sich meistens sofort. Eine weitere Rolle hat Rowlf in der Arztserie-Parodie «Veterinarian’s Hospital» als Dr. Bob, auf dessen Operationstisch die meisten Patienten eine geringe Lebenserwartung haben. Völlig verwirrt sehen sich die Figuren jeweils am Ende des Sketches um, wenn eine körperlose Stimme die nächste Folge ankündigt.

Wer sich «The Muppet Show» schon als Kind angeschaut hat, wird mit den deutschen Dialogen aufgewachsen sein. Dabei basiert der Humor im Original meist auf kuriose Wortspiele, die selten auch nur im entferntesten sinngemäss übersetzt werden können. Besonders wenn Miss Piggy einen Auftritt hat, werden die unterschiedlichsten Bedeutungen von Schweinebezeichnungen verwendet:

Piggy: «Methinks thou dost protest too much.»
Kermit: «What?»
Piggy: «Shakespeare.»
Kermit: «Sounds more like Bacon. From a ham.»
Piggy: «How would you like a porked chop?!»

Die Frage, ob die Texte von William Shakespeare vielleicht in Wahrheit von Francis Bacon geschrieben wurden, wird auch einmal in der Gesprächsrunde diskutiert. «Bacon» bedeutet zum Entsetzen von Piggy natürlich auch «Speck». «Ham» wiederum steht nicht nur für «Schinken», sondern auch für «schlechter Schauspieler». Ein «chop» ist ein «Hieb». «Pork chop» ist «Schweinekotelett», und ein «porked chop» ist selbtsverständlich ein Hieb von einem Schwein. Die äusserst schlagkräftige Liebe von Piggy führt dazu, dass sie noch trocken anfügen muss: «You always hurt the one you love.» In der deutschen Version hört sich dieser Dialog dann schon bedeutend weniger vielschichtig wie folgt an:

Piggy: «Mir däucht ihr protestieret allzu laut.»
Kermit: «Was?»
Piggy: «Shakespeare.»
Kermit: «Klang mir eher nach Speckshear von einem fetten Schinken.»
Piggy: «Ja ja, und du hast wahrscheinlich Appetit auf eine Schweinshaxe!»

Wenigstens sind in den deutschen Untertiteln die englischen Dialoge übersetzt. So wird «How would you like a porked chop» treffender zu «Aus dir mache ich Hackfleisch». Darin ist zumindest noch der Schlag enthalten.

Wie von einer Fernsehserie aus den 70er-Jahren nicht wirklich anders erwartet werden kann, ist die Bildqualität der DVDs nicht gerade überragend. Leichtes Rauschen und ausblutende Farben sind die Hauptmakel. Solide ist die Tonqualität. Als Bonusmaterial sind die Pilotsendung sowie ein Bewerbungsvideo enthalten. Zudem lässt sich eine Untertitelspur mit Hintergrundinformationen einblenden.

Bewertung: 5 Sterne
Bildqualität: 3 Sterne
Tonqualität: 4 Sterne
Bonusmaterial:
3 Sterne

(Bilder: © Walt Disney Studios Home Entertainment)

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2 Kommentare to “«The Muppet Show – Season 1» von Jim Henson”

  1. Heuni says:

    Ich habe die DVD auch gekauft (aber noch nicht alle Folgen gesehen) und muss auch sagen, dass Tonspur und Bild nicht sonderlich berauschend sind. Habe mich manchmal ertappt, dass ich zurück spulen musste, um etwas genau zu verstehen.

    Ansonsten sind die Muppets natürlich echt klasse!

  2. Croebe says:

    Die einzigartige Qualität der Sendungen hat meine Frau und mich dazu bewogen die Komplette Staffel mehr oder weniger en suite durchzusehen. Wenn auch am Anfang uns Europäern eher unbekannte Stargäste auftreten (da werden wir wohl auf die nächsten Staffeln warten müssen), Peter Ustinov und Vincent Price sind schon dabei…für die anderen gibt es ja Google. Die Untertitel sind sehr spärlich ausgefallen, interessanter weise würde man sie eher bei gewissen deutschen Passagen, benötigen, da bei der Synchronisation etwas geschmuddelt wurde. Wir freuen uns schon auf die nächsten Staffeln.

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