«Sweeney Todd» von Tim Burton (Blu-ray)

«Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street»

Keiner mordet so elegant wie Sweeney Todd. Regisseur Tim Burton («Charlie and the Chocolate Factory», «Big Fish», «Corpse Bride») lässt den musikalischen «Demon Barber of Fleet Street» von Stephen Sondheim in stimmungsvoller Ausstattung seine Rache ausüben. Die Gesangskünste der Hauptdarsteller Johnny Depp («Pirates of the Caribbean: At World’s End») und Helena Bonham Carter sind zwar nicht über alle Zweifel erhaben, aber die Besetzung ist dennoch unübertrefflich.

Die Handlung ist relativ simpel und wird auch ziemlich gradlinig erzählt. Der übermächtige Richter Turpin (Alan Rickman) hat ein Auge auf die hübsche Frau des Barbiers Benjamin Barker (Depp) geworfen. Um den Konkurrenten aus dem Weg zu räumen, wird der unschuldige Barker eines Verbrechens schuldig gesprochen und nach Übersee verfrachtet. Nach 15 Jahren kehrt er unter dem Namen Sweeney Todd nach London zurück, um sich an den Übeltätern zu rächen. Von der Fleischpasteten-Bäckerin Mrs. Lovett (Bonham Carter) erfährt er, dass seine Frau Selbstmord begangen hat und seine mittlerweile beinahe volljährige Tochter in der Obhut des lüsternen Turpin aufwächst.

Über der Bäckerei von Mrs. Lovett eröffnet Todd wieder einen Barbier-Laden, mit der Absicht, Judge Turpin und seinem Helfer Beadle (Timothy Spall, «Enchanted») die Kehlen durchzuschneiden. Sein erstes Opfer ist allerdings der extravagante Berufskollege Pirelli (Sacha Baron Cohen, «Borat»), der damit droht, die wahre Identität von Todd zu verraten. Als sich Todd und Mrs. Lovett überlegen, wie sie die Leiche entsorgen können, entscheiden sie sich dazu, Pirelli in Fleischpasteten zu verarbeiten. So kommt Todd seinem Ziel eine durchgeschnittene Kehle nach der anderen näher.

«Sweeney Todd» ist eine Umsetzung des gleichnamigen, 1979 mit acht Tony Awards ausgezeichneten Musicals von Stephen Sondheim. Für die Kinoversion habe Sondheim nun einige Verse neu geschrieben. Wie er nämlich im Presseheft feststellt, sei man im Theater bereit, einem Sänger zuzuhören, der drei Minuten lang auf der Bühne sitzt und über ein Thema singt: «Aber auf der Leinwand kapiert man sehr schnell, was Sache ist – da wird der Song sehr schnell zweieinhalb Minuten zu lang.» Wo er recht hat, hat er recht. Die Hauptfiguren erklären sich in ihren Lieder ein wenig allzu häufig.

Die Verfilmung ist nicht wirklich langweilig, denn wie man es sich von Burton gewohnt ist, bietet sie eine phänomenal stimmungsvolle Ausstattung und mit viel Ironie versetzte Düsterheit. Doch auf die Dauer wirkt diese doch etwas eintönige Inszenierung ermüdend. Denn «Sweeney Todd» lässt die visuelle Kühnheit der bisherigen Werke von Burton vermissen. Besonders im Vergleich zu den ebenfalls mit Musik und viel bildlicher Eleganz ausgestatteten, animierten Streifen «The Nightmare Before Christmas» und «Corpse Bride» schneidet «Sweeney Todd» enttäuschend ab.

Besonders die Besessenheit der Hauptfigur wirkt mit der Zeit nur noch trüb und trist, und beim zehnten Kehlenschnitt setzen die ersten Gähnreflexe ein. Der Auftritt von Sacha Baron Cohen ist ein früher Höhepunkt des Films, der später einfach nicht mehr erreicht werden kann. Sweeney Todd ist in der Klaue seines Schicksals gefangen und mordet mechanisch seine Opfer. So ist «Sweeney Todd» ein düsteres Musical, das etwas zähflüssig inszeniert vor allem auf die Wirkung der Musik und der Ausstattung setzt.

Die Ausstattung und die Atmosphäre kommen auf der lupenreinen Blu-ray-Disc vorzüglich zur Geltung. Zahlreiche Berichte führen auf der «Special Edition»-DVD und der Blu-ray-Disc in über 150 Minuten hinter die Kulissen der mit einem Oscar ausgezeichneten Produktion. Da wird ein Blick auf die erweiterte Familie von Regisseur Burton, seiner Frau Bonham Carter und ihrem gemeinsamen besten Freund Depp geworfen, und die Legende von Sweeney Todd wird auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht und auf die die Blutlust der Leser im 19. Jahrhundert zurückgeführt.

Ein weitere sehenswerte Dokumentation führt in die Tradition des Grand Guignol ein, des Horrortheaters aus Frankreich. Zudem erklärt Sondheim, wieso fast jede Minute seines Werks mit Musik gefüllt ist, und er gibt offen zu, dass es sich um eine lächerliche Geschichte mit viel Bühnenblut handelt. Kurze Berichte gehen auch auf das Design und die Effekte des Kehlenschnitts ein. Mit Ausnahme einer amüsanten Pressekonferenz und dem biederen Drehbericht von HBO sind alle Extras in High Definition enthalten.

Film: 4 Sterne
Bildqualität (Blu-ray): 6 Sterne
Tonqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
5 Sterne

(Bilder: ©Warner Home Video)

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