«The Assassination of Jesse James» (Blu-ray)

«The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford»

Noch mehr Lust aus Zooey Deschanel? Immer doch. Auch im Western «The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford» ist sie zu sehen. Zwar nur in einer kleinen Rolle erst ganz am Schluss, aber der Film ist sowieso sehenswert. Kaum mehr als 20’000 Besucher habe ich dem Western für die Schweizer Kinos vorhergesagt. Immerhin 29’293 sind schliesslich gezählt geworden. Für einen Oscar hat es auch nicht gereicht, und dennoch kann ich den Film nur in höchsten Tönen loben. Das Drama ist ein Genuss von der ersten bis zur letzten Minute, aber eben keinesfalls ein Film nach gängigem Publikumsgeschmack.

Robert Ford (Casey Affleck) bewunderte Jesse James (Brad Pitt) über alles – er war ein idealistischer und ehrgeiziger Junge, der sich nichts mehr wünschte, als eines Tages mit seinem Idol reiten zu dürfen. Er konnte nicht ahnen, dass er einst als der dreckige kleine Feigling in die Geschichtsbücher eingehen würde, der Jesse von hinten erschoss. Auf dem Grabstein von James ist zu lesen: «Murdered by a traitor and a coward whose name is not worthy to appear here.» Wer ist dieser unwürdige Mörder aber wirklich?

«The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford»Bei dem letzten Zugüberfall, den die lediglich noch aus Frank (Sam Shepard) und Jesse bestehende James-Bande verübt, darf Ford endlich mitmachen. Doch danach setzt sich Frank in den sicheren Osten nach Virgina ab und zieht sich in den Ruhestand zurück. Jesse versucht derweil, eine neue Bande um sich zu gruppieren. Doch das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld, lässt in an der Vertrauenswürdigkeit der neuen Partner zweifeln.

«The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford» – was für ein herrlicher Titel – basiert auf den Roman von Ron Hansen über den berüchtigten Gesetzlosen und seinen Attentäter, der die Legende aus einem neuen Blickwinkel darstellt: Was geschah tatsächlich in den Monaten vor dem berüchtigten Schuss? War Jesse James wirklich der heldenhafte Verbrecher und war Robert Ford tatsächlich der niederträchtige Feigling?

«When the legend becomes fact, print the legend» ist der legendäre Leitsatz aus dem Western «The Man Who Shot Liberty Valance». Dieser Ausspruch trifft auch vollumfänglich auf das Leben von Jesse James zu. Schon zu Lebzeiten wurde der Kriminelle zum Held von Groschenromanen und wurde darin zum Robin Hood hochstilisiert, seine Überfälle kunstvoll ausgeschmückt. Und James soll selbst gegen diese Fabrikationen in Zeitungen und Heftchen Leserbriefe geschrieben haben. Doch gegen die Kraft der Fiktion ist selbst ein berüchtigter Outlaw machtlos.

Auch «The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford» ist natürlich nur eine Annäherung an die Legende. Sinnbildlich dafür steht wohl die Szene, in der Bob Ford seinem Idol von den Geschichten erzählt, die er als Kind über ihn gelesen hat. «Das sind alles nur Lügen», haucht im James nur zu. Dominik ersetzt in seinem Film die alten, vertrauten Legenden mit neuen Mythen, den Depressionen und der Paranoia eines launischen Verbrechers, der im Schaukelstuhl seinen Kindern beim Spielen zusieht. Die ganze Wahrheit wird niemand je erfahren.

Die Filmemacher hinterfragen auch die gängigen Klischees des Genres. Die Bezeichnung «Feigling» steht geradezu plakativ im Titel. Aber war Bob Ford wirklich ein Feigling? Oder hat er einfach in der Situation logisch gehandelt? Vielleicht angetrieben durch Angst, vielleicht aber mehr noch durch Ruhmsucht und ganz einfach durch den Trieb zur Selbstverteidigung. Zudem spielt die Handlung keineswegs im Wilden Westen, der damals um 1880 nämlich bereits erobert worden war, sondern in den Städten und Landschaften des Mittleren Westen in Kansas und Missouri, wo das neue Bürgertum seine Zivilisation errichtete.

Wenn Pitt, der den Film auch produziert hat, darauf hinweist, dass es sich weniger um einen Western als ein Psychogramm handelt, dann hat er völlig recht. Die Analyse eines Mordes, der Beweggründe dafür und seiner Konsequenzen stehen im Zentrum. Andrew Dominik dringt in die zersplittete Gefühlswelt der Westernlegenden ein. Daraus ergibt sich ein sperriges, teils langatmiges Drama, das durchaus Geduld abfordert. Wer sich aber darauf einlässt, wird in eine berauschende Welt eintauchen.

Die Oscar-nominierte Kameraarbeit von Roger Deakins («No Country for Old Men») ist in jedem Bild gelungen. Für die betörende, an die Kompositionen von Clint Mansell für «The Fountain» erinnernde Musik zeichneten sich Nick Cave und Warren Ellis, Mitglied von Caves Band The Bad Seeds, verantwortlich. Nicht zu vergessen sind die exzellenten Darbietungen von Brad Pitt, der meisterhaft zwischen der Verrücktheit von «Twelve Monkeys» und einer in sich zurückgezogenen Stille pendelt, und von Casey Affleck, der den winselnden Jüngling fast schon zu perfekt verkörpert.

Auf der Blu-ray-Disc sind keinerlei Extras enthalten, dafür ist die Bildqualität meisterlich. Die schimmernden, in jedem Rahmen mit Spannung durchtränkten Aufnahmen von Deakins entfalten ihre volle Wirkung. Auf der Tonspur besticht vor allem die Musik von Cave und Ellis.

Film: 6 Sterne
Bildqualität (Blu-ray): 6 Sterne
Tonqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
0 Sterne

(Bild: ©Warner Home Video)

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