«Dirty Harry Collection» mit Clint Eastwood (Blu-ray)

Clint Eastwood und Andrew Robinson in «Dirty Harry»

Er ist der Vorgänger von Martin Riggs («Lethal Weapon») und John McClane («Die Hard»). Und der in «Righteous Kill» von Robert De Niro geäusserte Satz «Nothing wrong with a little shooting, as long as the right people get shot» stammt ebenfalls von ihm. Letztes Jahr ist der ursprüngliche Selbstjustiz-Polizist endlich wieder auf DVD und vor allem auch auf Blu-ray-Disc erschienen. Es zeigt sich: An Coolness übertrifft das Original seine Nachfolger auch heute noch.

Als 1971 «Dirty Harry» in die Kinos kam, gab es einen Aufschrei in liberalen Kreisen. Der Film wurde als Propaganda für faschistisches Gedankengut betrachtet. Damit findet sich Hauptdarsteller Clint Eastwood heute gut ab. In den Filmen sei sowieso keine politische Botschaft enthalten gewesen, die Filmemacher wollten lediglich eine gute Detektivgeschichte erzählen. Das ist ihnen auch gelungen. Auf Grund der abgeklärten und entspannten Darstellung durch Eastwood wurde die Figur zu einer Ikone.

Den Übernamen «Dirty Harry» hat der Kommissar der Polizeibehörde in San Francisco nicht etwa wegen seiner knallharten Umgangsweise mit Verbrechern erhalten, sondern weil ihm immer die dreckigsten Arbeiten zugeteilt werden. Davon gibt es angeblich in den moralisch aufgeweichten 70er-Jahren ausreichend. Besonders in San Francisco trifft Callahan an jeder Ecke auf Vertreter der von ihm unter dem abschätzigen Sammelbegriff «Punks» zusammengefassten Menschengruppe, die in Wahrheit aber sehr heterogen ist.

Clint Eastwood in «Dirty Harry»Zudem fühlt sich Harry Callahan durch zahlreiche Vorschriften in der Ausübung seines Berufes eingeschränkt. Erst ein paar Jahre zuvor verordnete der Supreme Court die Verwendung der Miranda-Warnung. Ohne Durchsuchungsbefehl beschaffte Beweismittel sind zudem vor Gericht nicht zulässig. Wenn dann Kriminelle frei kommen, gibt es für Callahan daher nur ein Urteil: «Dann ist das Gesetz verrückt.» So sorgt Callahan mit unorthodoxen Methoden und seiner .44 Magnum, der mächtigsten Handfeuerwaffe der Welt, für Gerechtigkeit.

So entsteht tatsächlich der Eindruck, dass der kaltblütige Harry Callahan ein Faschist ist. Eastwood, Regisseur Don Siegel und die Drehbuchautoren Harry Julian Fink und Rita M. Fink haben mit «Dirty Harry» aber vielmehr den gefürchteten Sheriff aus dem Wilden Westen in die Neuzeit gerettet. Die von ihm ausgeübte Selbstjustiz ist allerdings ein Merkmal der Western, für die Eastwood zuvor bekannt war. Die Filmemacher lieferten damit eine Identifikationsfigur für furchtsame Bürger. Wer würde sich bei Gefahr nicht den unerschütterlichen Callahan an der Seite wünschen.

In der aus fünf Filmen bestehende Serie wird nicht nur viel Gewalt gezeigt, es wird auch immer ihre Rolle in der Gesellschaft reflektiert. So sah sich Callahan in der Fortsetzung «Magnum Force» (1973) einer Gruppe von Vollstreckern innerhalb der Polizei gegenüber. Als sie auch den ursprünglichen Magnum-Schützen für ihre Sache (die Auslöschung von berüchtigten Verbrechern) rekrutieren wollen, muss Callahan ihnen erklären, dass sie ihn falsch eingeschätzt haben. Dabei kommt natürlich auch seine Waffe zum Einsatz.

Später beweist sich Callahan als einzige Konstante in einer sich ständig verändernden Welt. Die schreienden Vorgesetzten und die rachsüchtigen Verbrecher verkommen dabei beinahe schon zu Klischees. Doch der gradlinige Gesetzeshüter sieht sich auch immer wieder neuen Herausforderungen gegenüber. So wird ihm in «The Enforcer» (1976) eine weibliche Partnerin zur Seite gestellt. Der Macho muss sogar von ihr gerettet werden.

In «Sudden Impact» (1983) wird er plötzlich mit einer Figur konfrontiert, die ihm ähnlicher ist, als er sich das wünscht. Der vierte Film in der Serie ist der einzige, den Eastwood selber inszeniert hat. Eine weitere Eigenheit: «Sudden Impact» ist die einzige Episode, die nicht hauptsächlich in San Francisco spielt. Callahan wird in den kleinen Küstenort San Paulo (in Wirklichkeit Santa Cruz) geschickt, wo er auf die Spuren eines Serienmords stösst.

In «The Dead Pool» (1988) landet er schliesslich selber als Prominenter auf einer Abschussliste und kämpft mit der Wirkung der Medien. Wie in keiner anderen Folge zuvor wird die Rolle von Gewalt in Filmen und in der Gesellschaft diskutiert. Patricia Clarkson spielt eine Sensations-Journalistin, die das Vertrauen von Callahan gewinnen möchte, und Liam Neeson verkörpert einen schmierigen Horror-Regisseur, der sich zynisch über die gegen ihn gerichteten Vorwürfe mokiert. Jim Carrey ist zudem als Rock-Musiker in einer frühen Rolle zu sehen.

Anhand der über einen Zeitraum von 17 Jahren enstandenen Filme lässt sich auch die Entwicklung der Filmindustrie zwischen den 70er- und 80er-Jahren verfolgen. Die Veränderung in der Erzählweise und der Schnitttechnik sind besonders gut in den Trailern zu erkennen, die zu Beginn der 70er-Jahre noch aus einigen fast vollständigen Szenen aus dem Filme zusammengesetzt waren. Erst in den 80er-Jahren wird mit einer rasanten Schnittfolge die halbe Handlung des Films erzählt.

Das umfangreiche Bonusmaterial auf den fünf DVDs und Blu-ray-Discs setzt sich vertieft mit Entstehung und Wirkung der Serie auseinander. Auf den Audiokommentaren mit Regisseuren, Drehbuchautoren und Eastwood-Experte Richard Schickel ist Eastwood zwar nicht zu hören, dafür gibt er in den zahlreichen Dokumentation offen Auskunft über seine Einstellung zu den Filmen, die einen Meilenstein in seiner unvergleichlichen Karriere darstellen.

Idealer Einstieg in die Serie ist natürlich «Dirty Harry». Darauf finden sich auch die meisten Extras. So sind auch zwei längere Dokumentationen (60 und 90 Minuten) über Eastwood sowie zahlreiche Interviews enthalten. Da berichtet etwa Arnold Schwarzenegger, das Eastwood sein grosses Vorbild gewesen sei. Auch die in den diversen Folgen auftauchenden Schauspieler Patricia Clarkson, Hal Holbrook und Robert Urich dürfen sich äussern.

Auch alle übrigen Scheiben sind mit Audiokommentar und mindestens einem Bericht ausgestattet. So diskutieren in der Dokumentation «The Business End: Violence in Cinema» (auf «The Enforcer») Regisseure wie Joe Carnahan («Smokin’ Aces»), Paul Haggis («Crash») und David Ayer («Street Kings») über die Zusammenhänge zwischen Gewalt im Kino und der Gesellschaft. Genüssliche Anekdote: Wenn Alfred Hitchcock mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, dass seine Filme die Betrachter pervertieren, habe er jeweils einen Zeitungsausschnitt hervor gezückt. Darin wird von einem Mann berichtet, der seine Freundin nach einer Kinovorführung erwürgt hat. Gesehen hatten sie «Snow White and the Seven Dwarfs», ein wahrhaft gewalttätiger Streifen.

Die Filme sehen auf Blu-ray-Disc vorzüglich aus, obschon besonders die früheren Werke nicht restlos von leichten Kratzern und Verunreinigungen befreit worden sind. «The Dead Pool» glänzt dann aber tadellos. Der in Dolby TrueHD 5.1 abgemischte Ton nutzt zwar selten alle Kanäle aus, hört sich aber doch beeindruckend an.

Filme: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
5 Sterne

(Bilder: ©Warner Home Video)

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