«Two-Lane Blacktop» von Monte Hellman

Dennis Wilson, Laurie Bird und James Taylor in «Two-Lane Blacktop»

Je sparsamer ein Film mit Inhalten umgeht, umso besser eignet er sich als Projektionsfläche. Das trifft auch auf «Two-Lane Blacktop» zu. Die beiden Hauptfiguren sind zwei Autos; ein frisierter 55er Chevy und ein 70er Pontiac GTO. Mit dem aufgemotzten Chevy sind der Fahrer und sein Mechaniker (Sänger James Taylor und Dennis Wilson, Drummer der Beach Boys) unterwegs von einem illegalen Rennen zum nächsten.

Gehalten wird nur zum Tanken, Essen oder für notwendige Reparaturen. Nach einem dieser Aufenthalte gesellt sich das Mädchen (Laurie Bird) zu ihnen. Von nun an sind sie zu dritt. Die beiden Männer bleiben sparsam im Ausdruck, spröde in der Art. Genau so wie der Film. Wenn sie miteinander reden dreht sich beinahe alles um ihr Auto.

Beinahe schon zärtlich sind die Gespräche mit dem Mädchen, obschon auch diese Unterhaltungen seltsam abgebrochen werden. Nach einem merkwürdigen Dialog über Heuschrecken verabschiedet er sich mit: «Well, dont get any splinters.» Sie soll keine Holzsplitter (vom Zaun) kriegen. Sie antwortet: «You bore me.» Er langweile sie. Da überrascht die Zuneigung der beiden Männer zu ihrem Fahrzeug und ihre Wortkargheit nicht mehr weiter.

Katherine Squire, Melissa Hellman und Warren Oates in «Two-Lane Blacktop»

Unterwegs werden die beiden ein paar Mal von einem gelben GTO überholt, sehr zum Ärger des schon um einige Jahre älteren Fahrers des GTO (Warren Oates). Was in den beiden Chevy-Insassen vor sich geht, lässt sich nicht genau erahnen. Bis zu Beginn des eigentlichen Rennens vergeht eine halbe Stunde des Films. An dieser Stelle verändert sich die Atmosphäre des Films merklich. Der GTO-Fahrer ist nämlich das pure Gegenteil der beiden jungen Männer. Geschwätzig und arrogant.

An einer Tankstelle in New Mexico konfrontiert der aufgeblasene GTO-Fahrer den Chevy und fordert ihn zu einem Rennen heraus. Darauf gehen die beiden wagemutigen Chevy-Fahrer ein. Wer zuerst in Washington D.C. ankommt, erhält die Wagenpapiere des Unterlegenen. Da der GTO alleine durch die Gegend fährt, nimmt er immer wieder Anhalter mit. Jedem neuen Beifahrer tischt er wieder eine neue tollkühne Geschichte auf.

Die Insassen der beiden Autos werden auf ihrer eher gemächlichen Reise durch die USA auch immer wieder mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Der Chevy kann im letzten Augenblick einer Kollision mit zwei verunfallten Autos ausweichen. Der GTO nimmt eine alte Frau und ein Mädchen mit. Sie sind auf dem Weg zum Friedhof, zum Grab von den Eltern des kleinen Mädchens: «City car’s what killed them.»

«Two-Lane Blacktop»

«Two-Lane Blacktop» gilt als Kultfilm. Dabei sind nicht nur die Dialoge und die Handlung äusserst spärlich. Auch die Kameraarbeit ist bedingt durch die vielen Szenen in den Autos ziemlich eingeschränkt. Aber genau aus dieser widerspenstigen Reduziertheit bezieht der Film seine Spannung und bietet dadurch Raum für alle möglichen Interpretationen. Zudem enthält der Film trotz den (auch finanziell) bescheidenen Möglichkeiten eine Fülle von ikonischen Bildern.

Genau so beliebig wie sich die Handlung zu Beginn entwickelt, verlieren sich am Ende die Wege der Figuren ohne zu einem sauberen Abschluss zu führen. «Two-Lane Blacktop» lebt von diesen unbestimmten Stimmungen, teilweise melancholisch, teilweise sehr ernüchternd. Nicht zuletzt durch die Musik und die Aufnahmen der legendären Route 66 ist der Film ein Zeitkapsel der frühen 70er-Jahre.

Die DVD bietet den Low-Budget-Film in überraschend guter Bildqualität. Die Tonqualität ist vermutlich wegen den Produktionsbedingungen eher bescheiden. Dafür bietet die DVD auch noch zwei gelungene Extras. In der 42-minütigen Dokumentation «On the Road Again: Two-Lane Blacktop Revisited» fährt Regisseur Monte Hellman mit ein paar seiner Filmstudenten zu einigen Drehorten und erinnert sich an die Entstehung des Films zurück, berichtet von der damaligen Politik der Studios und spricht widerwillig auch ein wenig über die Philosophie hinter dem Film.

So erzählt Hellman, dass der Film für 875’000 Dollar entstanden ist (obschon die Studios fast doppelt so hohe Budgets veranschlagt haben), oder dass im selten verwendeten Format Techniscope gedreht wurde. Hellman zeigt sich zudem überrascht, dass der Film funktioniert, obschon er keine Handlung hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Dokumentationen bietet dieser entspannte Bericht wirklichen Mehrwert.

Im Audiokommentar mit Hellman und Produzent Gary Kurtz geht der Regisseur noch ein wenig ausführlicher auf die Entstehung und Bedeutung von einzelnen Szenen ein. Zudem erklärt er, wieso es so lange gedauert hat, bis der Film auf DVD erhältlich ist: Schwierigkeiten bereiteten die Musikrechte, die erst noch für eine Veröffentlichung gekauft werden mussten. Hellman bedauert zudem, dass keine entfallenen Szenen oder anderes Filmmaterial erhalten geblieben sind. Einige der Informationen überschneiden sich zwar mit den Angaben aus der Dokumentation, aber der Audiokommentar ist dennoch hörenswert.

Film: 5 Sterne
Bildqualität: 5 Sterne
Tonqualität: 3 Sterne
Bonusmaterial:
5 Sterne

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