«The Birth of a Nation» von D. W. Griffith

«The Birth of a Nation»

Wer sich mit der Geschichte des Films beschäftigt, stösst früher oder später auf Regisseur D. W. Griffith und sein umstrittenes Werk «The Birth of a Nation». Der aufwühlende Stummfilm, in dem Griffith seine Sicht des blutigen Bürgerkriegs darlegt, führte 1915 das junge Medium durch technische und narrative Neuerungen in eine neue Zukunft.

Zugleich sorgte «The Birth of a Nation» für heftige Proteste. Die «Richtigstellung» der Geschichte durch Griffith ist nicht nur einseitig, sondern auch zutiefst rassistisch. Griffith stellt die befreiten Sklaven als faule und schmutzige Taugenichtse dar. Zu Beginn des zweiten Teils, der den Wiederaufbau des Südens zeigt, zitiert Griffith aus einem Buch von Woodrow Wilson. Demnach haben die Anführer im Kongress einzig die Absicht gehabt, «to put the white South under the heel of the black South.»

«The Birth of a Nation»Wilson erklärt, dass die weissen Männer einzig durch einen Selbsterhaltungstrieb aufrüttelt worden seien, bis schliesslich der «grosse» Ku-Klux-Klan ins Leben gerufen wurde. In der Folge weist Griffith immer wieder auf die Faulheit und Hinterträchtigkeit, den niederen Charakter der Afro-Amerikaner hin, etwa am Beispiel der ungesitteten Abgeordneten im Regierungsgebäude. Sie trinken, fressen, ziehen ihre Schuhe aus und legen ihre (stinkenden) Füsse auf den Pult.

Der rassistische Klan wird hingegen als Retter der weissen Nation gefeiert, als «the organization that saved the South from the anarchy of black rule.» Im Zentrum steht dabei auch die Lust der «Negroes» auf die weisse Frau. Griffith war ein vehementer Gegner von Hochzeiten zwischen den «Rassen». Darauf weist auch seine Antwort auf einen Kommentar im «New York Globe» hin, in dem er eine Organisation angreift, die sich gegen «Anti-Mischehen-Gesetzgebung» einsetzt. Griffith entlarvt sich in «The Birth of a Nation» als paranoider Sohn des Südens, der heftig gegen die gefühlte Benachteiligung seines «Volkes» ankämpft.

Das Epos kam aus diesen Gründen zurecht unter heftigen Beschuss, sicherte sich aber auch dadurch seine Stellung in der Filmgeschichte. Dadurch dient es nämlich nicht nur als Meilenstein der Filmgeschichte, sondern auch als Erinnerung an die rassistische Auseinandersetzung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA. Nützlich ist in diesem Zusammenhang auch das dicke Beiheft der DVD, in dem neben Erinnerungen der Hauptdarstellerin Lilian Gish auch andere Texte erstmals in deutscher Übersetzung enthalten sind.

Die Bildqualität der Code-2-DVD aus der «Arte Edition» entspricht der von «Kino on Video» in den USA veröffentlichten Version. Die beiden Bildausschnitte im Einstiegsbild zeigen, dass die gleiche Vorlage verwendet wurde. Der Bildfehler ist allerdings überhaupt nicht typisch für die Kopie. Verunreinigungen sind zwar in den meisten Frames enthalten, sind allerdings für einen so alten Film sehr minim. Der einzige Unterschied zwischen der Code-1- und der Code-2-DVD ist bei den Bildtafeln zu erkennen; die wurden nämlich für die «Arte Edition» tadellos gereinigt.

Film: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität: 4 Sterne
Bonusmaterial:
3 Sterne

(Bilder: ©MK2)

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