«The Interview» von Evan Goldberg, Seth Rogen

Did you just say ‹dong›?

Wer ein gewisses Interesse an politischen Vorgängen besitzt, muss sich doch eigentlich unbedingt einen Film ansehen, der bestehende internationale Spannungen zusätzlich verstärkt. Im Fall der Komödie «The Interview» ist dafür jedoch ein gewisses Flair für oder zumindest eine grosse Toleranz gegenüber primitivem Fäkalhumor eine Grundbedingung.

Dave Skylark (James Franco«127 Hours», «Oz the Great and Powerful») ist ein erfolgreicher Talkmaster. Er moderiert die seichte Unterhaltungssendung «Skylark Tonight», in der sich Prominente der Branche entblössen: Eminem gesteht, dass er schwul ist, Rob Lowe zeigt seine Glatze, Joseph Gordon-Levitt spielt mit Hundewelpen. Massgeblich für den Erfolg verantwortlich ist Produzent Aaron Rapoport (Seth Rogen, «The Green Hornet», «Funny People»). Doch nach 10 Jahren im Showbusiness würde Aaron gerne endlich einmal gehaltvolle Nachrichtensendungen produzieren. Da erfahren Dave und Aaron, dass der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un (Randall Park) ein Fan der Sendung ist und ihnen gerne ein Interview gewähren würde.

Obschon Aaron gewisse Einwände gegen die sehr einschränkenden Regeln für das Interview hat (der Diktator möchte die Fragen nicht einfach nur vorgängig bewilligen, sondern sie gleich selber formulieren), gehen sie auf das Angebot ein. Schliesslich hält sich Dave an das für ihn erste Gebot im Journalismus: «You give the people what they want.» Da schaltet sich das CIA ein und fordert die beiden Fernsehmacher auf, bei ihrem Besuch in Nordkorea den gefährlichen Diktator zu beseitigen. Dadurch setzen sie sich zwar einer gewissen Gefahr aus und ein Attentat auf ein Interview-Partner verstösst natürlich ebenfalls gegen Richtlinien des Journalismus. Dennoch lassen sich Dave und Aaron von der Notwendigkeit der Mission überzeugen.

Die Komödie «The Interview» sorgte weniger durch ihren Inhalt, als vielmehr durch die Ereignisse vor dem Kinostart in den USA für zahlreiche Schlagzeilen. Gemäss Medienberichten hat Mitte November eine Gruppe mit dem Namen Guardians of Peace einen Cyber-Angriff auf Sony Pictures gestartet. Mitte Dezember warnte die Gruppe wegen des Films «The Interview» vor Terroranschlägen in den USA. Nachdem einige Kinoketten den Film deswegen nicht mehr zeigen wollten, sagte Sony den für Weihnachten geplanten Kinostart vorläufig ab. «The Interview» kam dann doch in die Kinos und hatte durch die Medienberichte eine Aufmerksamkeit erreicht, die er wegen seines Inhalts gar nicht verdient hätte. Wenn die «Wächter des Friedens» gewusst hätten, wie banal der Film ist, hätten sie wohl kaum so sehr die Werbetrommel für die Satire gerührt. Fast schon peinlich, dass der Film trotzdem nur gerade etwas mehr als 6 Millionen Dollar einspielen konnte.

Die laute Satire vereint ein wenig Agentenfilmsatire, eine Prise Medienkritik und vor allem ganz viel kindischen Fäkalhumor. Die Filme mit James Franco und Seth Rogen («Pineapple Express», «This Is the End») sehen ja immer ein wenig so aus, als ob sich die beiden Schauspieler einfach bei der Ausübung ihrer Hobbys haben filmen lassen. Das ist bei «The Interview» nicht anders. Die Jungs haben viel Spass, wenn sie ausschweifende Partys feiern, anzügliche Diskussionen führen oder mit einem Panzer flüchten. Oftmals mehr Spass als das Publikum. Dazwischen machen sie sich ein wenig über den nordkoreanischen Diktator lustig, der in ihrer Version gerne Musik von Katy Perry hört, süsse Cocktails trinkt und sich mit Horden von halbnackten jungen Frauen vergnügt. Nebenbei riecht James Franco an seinem Penis, und er amüsiert sich darüber, dass Kim Jong-Un einem Gerücht nach weder urinieren, noch defäkieren muss. Derweil sieht sich Seth Rogen gezwungen, einen leicht unförmigen Zylinder in eine Körperöffnung zu stecken.

«The Interview» ist eindeutig keine gehobene politische Satire. Doch das ist auch gar nicht der Anspruch der Filmemacher. Sie haben schlicht und einfach eine pubertäre Komödie gedreht, die mit derben Witzen und unanständigen Wortspielen unterhalten möchte. Zwischendurch wird auch noch darüber verhandelt, ob die Tötung eines Diktators wirklich zielführend ist oder ob danach sowieso nur wieder ein genauso unberechenbarer Gewaltherrscher an die Macht kommt. Diese ernsthaften Diskussionen werden jedoch von den kindischen Scherzen übertönt, die manchmal durchaus amüsant, häufig aber vor allem stark geschmacklos und überdehnt sind. War diese Art des Humors für den Kampf gegen die Apokalypse in «This Is the End» durchaus angebracht, wirkt sie in «The Interview» einfach nur deplatziert und auf die Dauer ermüdend.

Fazit: «The Interview» sorgt zwar immer wieder für Lacher, schiesst aber mit dem derben und repetitiven Humor wuchtig am Ziel vorbei.

Bewertung: 3 Sterne

(Bilder: © 2014 Columbia Pictures)

Schreib einen Kommentar

You must be logged in to post a comment.