«Frost/Nixon» von Ron Howard

Wenn aus einem Theaterstück ein Film wird, kann das recht steif werden. Wenn dazu im Theaterstück ein Interview inszeniert wurde, zu allem Übel eines mit einem Politiker, dann kann der Film eigentlich nur eine Schlafpille sein. Oder doch nicht? Regisseur Ron Howard («The Da Vinci Code», «Cinderella Man») beweist nun das Gegenteil: «Frost/Nixon» ist eines der erfrischendsten Politdramen überhaupt – fesselnd, bewegend und überraschend witzig.

Das Drama von Ron Howard konzentriert sich auf ein legendäres Interview, das der britische Fernsehmoderator David Frost mit Richard Nixon geführt hat. Drei Jahre nach seinem skandalösen Rücktritt als Präsident der USA gewährte Nixon das Interview, für das er 600’000 Dollar und eine Beteiligung an den weltweiten Gewinnen erhielt. Gemäss einem Artikel in «Time Magazine» gab es für Tricky Dick einen weiteren Grund für das Interview: «His hope that he can change the people’s perception of him, perhaps even resume a responsible role in public life.» Er wollte sich rehabilitieren.

Das Interview wurde im Mai 1977 in vier 90-minütigen Sendungen ausgestrahlt. Der britische Drehbuchautor Peter Morgan («The Queen», «The Last King of Scotland») schrieb über die Begegnung von Frost mit Nixon ein Theaterstück, das 2006 in London seine Uraufführung feierte. Howard hat es nun mit Frank Langella als Nixon und Michael Sheen (Tony Blair in «The Queen») als Frost verfilmt. Anstatt der Theaterbühne bilden die Originalschauplätze im sonnigen Kalifornien die Kulisse für die historische Begegnung.

In der ersten Stunde wird die Ausgangslage geschildert. Nixon tritt unter Schimpf und Schande von seinem Amt zurück, wird aber von seinem Nachfolger Gerald Ford begnadigt. Dadurch entkommt Nixon der Strafverfolgung. Gleichzeitig hat der als Playboy berüchtigte Talkshow-Moderator David Frost eine kühne Idee: ein Interview mit Richard Nixon. Sein Produzent John Birt (Matthew Macfadyen) hat zwar seine Zweifel an der Durchführbarkeit, unterstützt das Projekt aber.

Obschon Nixon auch ein Angebot des angesehenen Journalisten Mike Wallace vorliegt, lässt er sich auf das Angebot von Frost ein. Er bietet nicht nur mehr Geld, Nixons Berater (Kevin Bacon, Toby Jones) betrachten Frost als Leichtgewicht, dass sich durch die Ausstrahlung von Nixon leichter manipulieren lässt. Frost seinerseits heuert die Polit-Experten James Reston, Jr. (Sam Rockwell) und Bob Zelnick (Oliver Platt) an, nimmt das nur mangelhaft finanzierte Unternehmen aber dennoch auf die leichte Schulter.

In der zweiten Stunde von «Frost/Nixon» steht dann das Interview selbst im Zentrum. Frost ist überzeugt, dass er Nixon zu entblössenden Aussagen bewegen kann. Doch der frühere Präsident bewegt sich souverän durch das Minenfeld und zerstört die Taktik von Frost durch lange Monologe. Dadurch steigt die Spannung innerhalb des Berater-Teams von Frost. Reston und Zelnick sehen ihren Ruf durch das womöglich beschönigende Interview in Gefahr.

Ein Vergleich mit Sportarten lässt sich fast nicht vermeiden. Irgendwo zwischen einem Schachspiel und einem Boxkampf entfaltet sich diese dramatische Begegnung von Frost und Nixon. Diese Konfrontation zweier unterschiedlichen Persönlichkeiten wird von Ron Howard schwungvoll inszeniert. Vertrauen kann er dabei nicht nur auf seine technische Crew, sondern auch auf die vorzüglichen Schauspieler. Aufgelockert wird das Drama durch aus heutiger Sicht ironische Beobachtungen.

«Frost/Nixon» ist aber gleichzeitig eine kritische Auseinandersetzung mit dem Einfluss des Fernsehens. Obschon sich Nixon vermutlich vor allem mit der Aussage «I’m saying that when the president does it, that means it’s not illegal» verraten hat, so war es doch vielmehr die Kraft der Nahaufnahme, die die Zerrissenheit des korrupten Präsidenten erkennen liess. Über Sieg oder Niederlage im Interview entscheiden letztlich nicht die Aussagen, sondern schlicht und ergreifend die enthüllenden Bilder.

Fazit: «Frost/Nixon» ist ein mitreissendes und jede Minute unterhaltsames Polit-Drama, das eindrücklich die verführerische und vernichtende Wirkung der Kamera vor Augen führt.

Bewertung: 5 Sterne

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