«The Boss of It All» von Lars von Trier

«The Boss of It All»

Wenn Lars von Trier («Manderlay») eine Komödie dreht, dann fällt sie sicher aus dem Rahmen. Gleich zu Beginn von «The Boss of It All» («Direktøren for det hele») erklärt der Regisseur, dass es sich beim neuen Film um eine harmlose Komödie handle. Doch wie vom dänischen Filmemacher zu erwarten ist, hat diese Komödie deutlich mehr Biss als ein Durchschnittsvertreter dieses Genres.

Der Schauspieler Kristoffer (Jens Albinus) soll den Boss einer kleinen IT-Firma spielen. Der eigentliche Besitzer Ravn (Peter Gantzler) hat seiner Belegschaft bisher alle seine Entscheidungen als Befehle von einem «Boss über alles» ausgegeben. So blieb er stets in der Gunst seiner Angestellten. Doch nun möchte er die Firma verkaufen, und der isländische Investor (Fridrik Thor Fridriksson) besteht darauf, mit dem Boss zu verhandeln. Deshalb wird Kristoffer von Ravn engagiert. Ohne rechte Vorbereitung tritt der Charakter-Darsteller von einem Fettnäpfchen ins nächste. Da stellt er fest, dass er von Ravn ausgenutzt wird und steigert sich in seine Rolle hinein.

Die Idee von «The Boss of It All» ist keineswegs ganz neu. In der Fernsehserie «Friends» spielte schon Joey in der Firma von Chandler einen improvisierenden Mitarbeiter, der seine Rolle ein wenig zu frei interpretiert (Episode «The One with the Chicken Pox», Staffel 2). Bei von Trier lassen sich die sozialen und moralischen Konsequenzen eines solchen Rollenwechsels natürlich nicht ganz so einfach ausblenden wie bei einer Sitcom, obschon sich von Trier streng an die Regeln des Genres hält, diese aber auch reflektiert.

«The Boss of It All»«The Boss of It All» ist nicht nur vom Inhalt her ähnlich radikal wie von Triers bisherige Werke, sondern auch von der Form her. Eine neue Kameratechnik passt die Bildgestaltung der Handlung an, immer leicht verschoben, aus dem Rahmen fallend. Automavision nennt von Trier das Aufnahmekonzept, bei dem ein Computerprogramm die zuerst gewählte Kameraposition und -einstellung nach dem Zufallsprinzip verschiebt und neue Werte für Neigung, Blickachse, Raumtiefe, Brennweite, horizontale und vertikale Ausrichtung vorgibt. Probleme habe dieses Konzept einzig bei den Aufnahmen im Zoo gemacht, wo der Elefant immer wieder den Bildausschnitt verlassen habe.

Zur Verabschiedung entschuldigt sich von Trier bei allen, die mehr, und bei allen, die weniger erwartet haben. Wer mit dem Gezeigten zufrieden sei, habe es auch verdient. So bleibt sich von Trier auch in «The Boss of It All» treu und führt wieder einmal sein meisterhaftes, avantgardistisches Spiel auf allen Ebenen vor. Nach ein wenig zähflüssigem Anfang entwickelt sich der Film so zu einer herrlich verschrobenen Komödie.

Einziges Bonusmaterial auf der DVD ist der Trailer. Ein angenehmes Erlebnis sind dafür die sauberen Untertitel, denn als ich den Film im Kino gesehen habe, mussten die Untertitel mehr entziffert als gelesen werden. Auch die Bildqualität ist bemerkenswert.

Film: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität: 5 Sterne
Bonusmaterial:
0 Sterne

(Bilder: ©Frenetic)

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