«The Boondock Saints» von Troy Duffy (Blu-ray)

Norman Reedus und Sean Patrick Flanery in «The Boondock Saints»

Television is the explanation for this: You see this in bad television.

Ein gesundes Selbstvertrauen ist für Regisseure unerlässlich. Zu viel davon kann allerdings auch kontraproduktiv sein. Das musste Troy Duffy erfahren, nachdem er sein erstes Drehbuch verkauft hatte, auch gleich als Regisseur verpflichtet und bereits ausgiebig als neues Talent von Hollywood gefeiert wurde. Durch seinen agressiven und beleidigenden Umgangston zerstörte er dann seine Karriere aber beinahe schon, bevor sie überhaupt begonnen hatte. In der «3-Disc Limited Collector’s Edition» von «The Boondock Saints» ist neben dem Film auf Blu-ray-Disc auch der Dokumentarfilm «Overnight» über die turbulente Entstehung enthalten.

Duffy konnte das Drehbuch zu «The Boondock Saints» ursprünglich an Harvey Weinstein von Miramax verkaufen, der ihm auch ein Budget von 15 Millionen Dollar für die Verfilmung zur Verfügung stellen wollte. Dem damals als Barkeeper in Los Angeles arbeitenden Duffy stieg der Erfolg schnell in den Kopf. Durch seine überhebliche Art («the right people see everything») machte er sich noch schneller unbeliebt. Miramax verzichtete schliesslich auf das Projekt. Duffy erhielt später von einem kleineren Studio ein Budget von etwa 6 Millionen Dollar. Doch nach Fertigstellung wollte zunächst kein Verleih «The Boondock Saints» ins Kino bringen.

Willem Dafoe in «The Boondock Saints»

Die Provinzhelden von Duffy sind die Zwillingsbrüder Connor (Sean Patrick Flanery) und Murphy MacManus (Norman Reedus), die nach einer Schlägerei mit russischen Kriminellen auf der Abschussliste stehen. Doch sie überleben einen ersten Mordversuch und kommen auf den Geschmack der justizfreien Verbrecherbeseitigung. Nachdem sie sich dem FBI Special Agent Paul Smecker (Willem Dafoe, «The English Patient») gestellt haben, kommt ihnen in der Zelle die Eingebung: «Destroy all that which’s evil, so that which’s good may flourish.» Schön biblisch wollen sie alles Böse vernichten, damit das Gute gedeihen kann.

Da sie nur aus Notwehr gehandelt haben, sind die Brüder am nächsten Tag wieder frei und rüsten sich sogleich mit allerlei Schusswaffen aus. Bald muss der lokale Boss der russischen Mafia das zeitliche segnen. Unterstützung erhalten sie danach auch vom Laufjungen Rocco (David Della Rocco), der bestens über die Gewohnheiten der Verbrecher Bescheid weiss. Agent Smecker und die lokale Polizei fragt sich derweil, wer die Morde verübt. Doch auch die Unterwelt wappnet sich gegen die Anschläge und holt den skrupellosen Auftragskiller Il Duce (Billy Connolly) aus dem Gefängnis.

David Della Rocco in «The Boondock Saints»

Auf Video fand der solide Selbstjustiz-Thriller im Stil der frühen Filme von Quentin Tarantino und Guy Ritchie doch noch eine Anhängerschaft. Auf dem Audiokommentar wehrt sich Duffy zwar gegen den Vergleich mit «Lock, Stock and Two Smoking Barrels», da sein Film bereits abgedreht war, als der Debütfilm von Ritchie in die Kinos kam. Stilistische und inhaltliche Ähnlichkeiten lassen sich trotzdem nicht abstreiten. Das liegt aber eben hauptsächlich am gemeinsamen Vorgänger Tarantino. Duffy trägt ebenfalls gerne dick auf und sorgt mit Zeitlupenaufnahmen für eine Ästhetisierung der Schiessereien. Das führt dann auch dazu, dass bei einem intensiven Schusswechsel zwischen den zuvor äusserst treffsicheren Brüdern und dem tödlichen Il Duce lediglich ein Finger abgeschossen wird. Hauptsache, es sieht gut aus.

Obschon in «The Boondock Saints» in erster Linie die Verbrecher abgeschossen werden, handelt es sich doch um einen gewaltverherrlichenden Film. Aus diesem Grund habe Duffy auch schon einen Brief vom Erzbistum von Toronto erhalten, in dem er als «Ausgeburt des Satans» bezeichnet wird. Das ist ähnlich übertrieben wie der Film selbst. Duffy füttert mit seiner Fantasie ganz einfach das in der Gesellschaft vorhandene Verlangen nach einem kurzen Prozess für Verbrecher, das auch Duffy selbst beschäftigt hat: «The film is my protest to feeling like a victim in my own home.» Dieses Gefühl der Hilflosigkeit hat Duffy in einen zwiespältigen Film verpackt, der hübsch anzusehen ist, aber durch einige Entscheidungen auch ein wenig Kopfschütteln auslöst.

Viel faszinierender als der Film selbst ist der mit dieser DVD mitgelieferte Dokumentarfilm «Overnight», in dem Tony Montana und Mark Brian Smith, zwei ehemalige Weggefährten von Duffy, den Wirbel um die Entstehung von «The Boondock Saints» eingefangen haben. Die Qualität ist zwar auch nur mittelmässig, doch der uneingeschränkte Zugang zu Duffy während einer frühen Phase der Produktion ermöglicht einen ungeschminkten Einblick in das Wesen des Regisseurs, der als paranoider, grössenwahnsinniger und selbstherrlicher Egoist in Szene gesetzt wird. Die Absichten von Montana und Smith mögen auch nicht besonders selbtslos gewesen sein, aber für die wenig schmeichlerischen Auftritte von Duffy ist letztlich nur er selbst verantwortlich.

Die Bildqualität der Blu-ray-Disc ist abgesehen von einem etwas zu weichen Bild äusserst solide. Die Tonqualität ist ausreichend. Die wenigen Effekte sind anständig eingesetzt, und die Musik ist klangvoll abgemischt. Neben dem Dokumentarfilm «Overnight» sind auch noch sieben entfallene und verlängerte Szenen (19 Minuten), eine Scherzszene (1 Minute) sowie Probeaufnahmen (10 Minuten) mit Erklärungen von Duffy enthalten. Auf dem Audiokommentar von Duffy ist neben einigen interessanten Bemerkungen vor allem viel Lob für die Schauspieler und den Kameramann zu hören. Etwas wirr ist der zusätzliche Audiokommentar von Billy Connelly, der seine Rock-’n'-Roll-Regel bei der Auswahl von Drehbüchern und andere Besonderheiten erklärt.

Bewertung: 4 Sterne
Bildqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Tonqualität (Blu-ray): 4 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
5 Sterne

(Bilder: © Capelight)

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4 Kommentare to “«The Boondock Saints» von Troy Duffy (Blu-ray)”

  1. juliaL49 says:

    Klingt nach einem “Wenn er denn im TV kommt, schaue ich mal rein”-Film :) Obwohl das natürlich durch die Synchro unmöglich gemacht werden könnte.

    Ist das der Film, der von diesem komischen britischen Möchtegern-Filmheld mitfinanziert wurde? Wo praktisch alles schief ging und es Jahre dauerte, bis der Film endlich fertig war. Ich hab da neulich einen Artikel gelesen, den ich aber nicht mehr finde.

  2. Thomas says:

    Also an die Erwähnung eines britischen Möchtegern-Filmhelden als Produzenten kann ich mich nicht erinnern.

  3. Aequitas says:

    Also erstens finde ich diesen Film einer der absolut besten, die jemals gedreht wurden.
    Klar, die Geschmäcker sind verschieden, aber meiner wurde mit Sicherheit getroffen. Wer realistisch blutige Szenen und sehr schwarzen Humor nicht erträgt ist hier jedoch an der falschen Adresse.
    Das bei der Schiessszene mit Connor, Murphy, Rocco gegen Il Duce nur ein FInger draufgeht ist nicht wahr. Rocco verliert seinen Finger, während Murphy am Arm verletzt wird und Connor eine Kugel im Bein einfängt. Was sollte denn sonst die folgende Szene mit dem Bügeleisen um die Wunden zu verschliessen.

    Was “Overnight” betrifft, war ich zuerst auch etwas geschockt von Troy Duffy.
    Seine Art war mir sehr fremd. Jedoch wird im Film kaum 5 Minuten von den tatsächlichen Dreharbeiten gezeigt, welche (zurückzuführen auf Aussagen der Schauspieler und den zweiten Teil (The Boondock Saints II: All Saints Day)) anscheinend sehr angenehm, friedlich und witzig waren. Der Erfolg ist Duffy vielleicht etwas zu Kopf gestiegen, aber ich weiss es nicht mit sicherheit, denn ich kenne ihn ja nicht. Das “Overnight” so überaus negativ wirkt ist bestimmt nicht nur Duffy’s Schuld sondern auch ein gnadenloser Schnitt.

    Was den Audiokommentar angeht, mag ich mich nicht mehr so genau erinnern. Jedoch hat er mit einem bestimmt recht. Die beiden Hauptdarsteller, Sean Patrick Flanery (The young Indiana Jones chronicles, Powder) und Norman Reedus (Six Ways To Sunday, The Beatnicks, Dark Harbor, Blade II) sind absolut phänomenal. Auch in anderen Filmen beweisen sie ihr aussergewöhnliches Talent.
    Und wären die Dreharbeiten eine Katastrophe gewesen, hätten sich die Macher des (mittlerweile in Amerika) Kultfilmes nicht nach 10 Jahren nicht-Hollywood-Erfolgs und guten Erinnerungen zusammengesetzt und mit neuem Witz und einigen wenigen neuen Schauspielern eine Fortsetzung gedreht, die genau so gelungen ist.

    Ich sage nur: Hut ab!
    Gute Unterhaltung mit Witz, irischem Charme, Action (endlich mal keine unnötige und nebensächliche Beziehungsgeschichte) und verdammt interessantem Hintergrund, der zum weiterdenken und diskutieren anregt.

  4. Aequitas says:

    Sorry…kleiner Fehler.

    Sie hätten sich OHNE 10 Jahre Hollywood-Erfolglosigkeit und guten Erinnerungen bestimmt nicht an eine Fortsetzung gewagt.
    So war’s gemeint. =D

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